Celeste und Prof. Dadakind [pt. II]
Wie dem auch sei, ich warte, sehe wie der lagunendampf sich entlang dem neuland des horizontes hochschlängelt wie eine fette, lila python und wünsche vergebens, ich könnte poet sein. Still erscheint sie dann neben mir: eine mischung samtener stimme und haut wie velour. Auch dies: ein freier und ungezwungener geist, der den meinen in seiner klobigen rationalität umtanzt. Sie ist eine der wenigen offiziellen erzähler cum dichterinen cum mündliche historikerin ihres volkes.
Ironischerweise reden wir gar nicht wirklich so sonderlich viel. Meistens, empirisch betrachtet, machen wir es uns auf einem der schmalen bette im mannschaftsabteil gemütlich und stürzen uns übereinander her. Das ist häufig eine sehr intensive angelegenheit, geradezu gewalttätig, vor allem jetzt, da ich mir angewöhnt habe während ich auf sie warte, wie ein beserker gestrüpp zuzerhacken. Zudem, gemäss dem was sie mir erzählt hat, hat das flüchtlingsleben sex, für die meisten von ihnen, auf mechanische libido besänftigung und/oder fortpflanzung per se reduziert.
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Ich entdeckte sofort sein kleines, elitäres, asoziales habitat (am zweiten tag in der umlaufbahn) und begann ihn in dem moment zu hassen, obwohl ich, technisch gesehen, zu dem zeitpunkt nicht sicher sein konnte, wer da oben ist: feindliche aufklärungssatelliten, planetäre vorabkunder oder wer genau. Was ich zu sagen versuche, ist dass es juwelenklar war, dass ein asteroidengürtel nicht einfach so aus der tiefe des raumes auftauchen würde, um so einen abgelegenen planetoiden, den wir zu unserer zufluchtsstätte gemacht haben, zu umkreisen.
Die beobachtung musste dementsprechend unserem koordinationsrat mitgeteilt werden: eine mögliche gefahr, die es richtig einzuschätzen galt, aber auch potentielles materiall für unsere gedichte und erzählungen. All unsere leute waren bedeutend erleichter und glücklich, als das einzigste was vom himmel herunterkam ein einziges, orbitales shuttle mit einem verschtruwelten wissenschaftler war. Nichtsdestotrotz, seine neuigkeiten waren verstörende neuigkeiten, schlechte neuigkeiten und wir hatten richtig gehandelt ihn immer höchstens nur 1/10 unserer leute zu sehen. Uraltes täuschungsmanöver.
Wie klar ersichtlich ist, sind die rechtssprechungsprozesse der PanGal Konföderation was einheimische im vergleich zu flüchtlingsbevölkerungen anbelangt, signifikant anders „Wir sind alle im selben bildniss erschaffen, NICHT“. Also haben wir uns dazu entschieden, dass der bruchteil unserer bevölkerung, der mit aussenseiter in kontakt kommt, eine keulenschwingende darbietung von primitivität abliefern soll, welche im hauptquartier immer viel anlass zu gefoppe, ausgelassenheit und pubertären rippenstössen gibt. So gut wie jeder trägt sich für das „höhlenmensch ämtchen“ ein, sogar wenn es für und immer und ewig dauert an die reihe zu kommen.
Auf jeden fall, als dieser wissenschaftler/terraformations-guru endlich hinunter kam, hatte ich ein gesicht auf welches ich meinen zorn richten konnte. Ausser das nun, da ich sein gesicht mit eigenen augen betrachten konnte, hässlicher helm, anzug und so weiter, nun sah ich, dass es sehr attraktiv, ja sogar gewinnend war, mich gewinnend, dieses gesicht, so dass mein angestauter missmut in alle möglichen verschiedenen richtungen abgeklenkt wurde, ausser die des anfänglichen feindes.
Und nachdem ich an zwei oder drei der langen besprechungen, die er mit unseren ältesten hat und an denen ich macht meines amtes teilnehmen darf, anwesend war, wird sogar aus der eigenartigen besorgniss um den abgelenkten zorn etwas anderes. Ich werde die letzte person sein, die sich der liebestrunkenheit hingibt, aber genauso wenig halte ich es für sinnvoll dem bauchgefühlten magnetismus zu widerstehen, da er auf lange dauer andere früchte tragen mag. Wird. Also gebe ich nach, dem bauch und entscheide mich diesem drang zu folgen. Schliesslich stürzt man sich als flüchtling auf die möglichkeiten wie sie sich darbieten oder bricht vornüber gekrümmt in einen untiefen krater. So überleben wir, um die geschichte weiterzureichen.
Beim ersten mal will ich unbedingt, dass wir in den warmen, Bacteria Viridialis wimmlenden gewässern ficken, aber er erklärt mir sanft, weshalb er in seiner gegenwärtigen verkörperung auf keinen fall kann. Trotz all meiner zuneigung und meinem verlangen weiss ich, wie ich im so zuhöre wie er ständig weitertextet über den biotischen gehalt der lagune, unromantische exotypen die es „mir erlauben würden vollständig einzutauchen“…. realisiere ich, dass ich mich diesem mann, mit seiner unfehlbar rationalen art, nie ganz hingeben könnte. Glücklicherweise muss ich das nicht, affenliebe ist für meine zwecke perfekt.
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Die logischen aussichten der situation sind unwiderlegbar. Die dinge werden sich zum schrecklichen wenden, ereignisse in denen Celeste auf keinen fall eine rolle zukommen darf. Aber all meine bitten sind bisher umsonst gewesen, wie kann mit einer person argumentieren, die nicht auf die harten, numerischen fakten hört!
Ich habe diese einheiten auf den lebensfeindlichsten planeten eingesetzt, in den widrigsten atmosphärischen bedingungen in diesem quadranten der galaxie. Sie haben immer die genauen spezifikationen der geologischen oder meteorologischen oder ozeanologischen ziele erfüllt. Ich hab für die terratech r&d leute lange, dankbare memos verfasst, in denen ich die exaktheit, die robustheit, verlässlichkeit ihrer maschinen, der 7000-er familie der tektoformanten anpreise. In den attachments finden sie die genauen zahlen: die exa-tonnen an erzeugtem druck in den relevanten geologischen spalten, die multi-quadrillionen an verschobenem oberboden, die zuverlässige refluktuation von strömen geschmolzener elemente unter den gesichtsplatten eines jungfräulichen oder zerbombten planeten. Wo erforderlich, kann ich sogar eine hand voll 7K-LiquiFerranti heruntersenden um einen kontinenten in glühende schlacke zu verwandeln: spektakulär!
Wenn man mit dem orbitshuttle zur oberfläche hinunterfliegt, den graugrünen anzug anzieht, die gute, alte partikel-knarre, plasmachete, oder was-auch-immer zur hand nimmt und in den abschürfenden wind tritt, was sieht man da? Berge die hochgeworfen und gefaltet wurden genau wie man sich das vorgestellt hatte.
Meiner schätzung nach (und hier versuche ich mich in psychologischer extrapolation in der ich keine spezielle expertise habe) will Celeste, dass ich sie und ihre leute in einen entlegenen stellaren quadranten und ihnen eine planetares habitat erschaffe wo sie unverfolgt ihre tage ausleben können. Wir, wir beide, ein neues leben lebend. Und das würde ich, gott, das würde ich! Alles was sie tun muss ist etwas sagen, sag doch einfach was! Aber Celeste ist eine völlige geheimniskrämerin und verrät auch nicht das kleinste, ein paar kryptische zeilen poesie ab und zu. Das beängstigt mich, diese verschlossenheit.